Achtung Beziehung! – oder: Was Persönlichkeitsstörungen mit der therapeutischen Interaktion machen

„Die Persönlichkeitsstörung, wie Sie sie gelernt haben, gibt es so bald nicht mehr.“
Persönlichkeitsstörungen neu denken: dimensionale Diagnostik nach ICD-11, Interaktionsanalyse und ressourcenorientierte Beziehungsgestaltung.
Die Diagnostik der Persönlichkeitsstörungen befindet sich im größten Umbruch seit Jahrzehnten: Die ICD-11 ersetzt die vertrauten Kategorien durch ein dimensionales Modell, und Längsschnittbefunde räumen mit der Annahme auf, Persönlichkeitsstörungen seien unveränderlich. Zugleich gilt: Nirgends zeigt sich die Störung so deutlich wie in der Interaktion, auch und gerade in der therapeutischen Beziehung. Diese Fortbildung verbindet beides zu einem zeitgemäßen Arbeitsmodell.
Sie klären die Begriffe Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung, verstehen aktuelle Entwicklungsmodelle und vollziehen den Weg von der kategorialen zur dimensionalen Diagnostik nach ICD-11 und dem Alternativmodell des DSM-5 nach, einschließlich der kritischen Auseinandersetzung mit Stabilitätshypothesen, Fehlannahmen und Stigmatisierung. Persönlichkeitsstörungen erschließen Sie als Interaktionsstörungen mit den Modellen von Beck und Freeman sowie Sachse und üben die praktische Interaktionsanalyse: interpersonelle Muster, dysfunktionale Grundannahmen, Beziehungstests, Images und Appelle. Für die Behandlung lernen Sie evidenzbasierte verhaltenstherapeutische Strategien und die ressourcenorientierte Perspektive nach Oldham und Morris sowie Schmitz kennen und entwickeln Wege zu einer tragfähigen Arbeitsbeziehung. Eigenen Raum erhalten die besonderen Herausforderungen: Spaltungstendenzen in Teams, therapeutische Krisen, Medikation und die Frage, wie Sie die Diagnose Ihrem Patienten vermitteln. Der Dozent ist Lehrtherapeut, Supervisor und Selbsterfahrungsleiter für Verhaltenstherapie mit langjährigem Praxisschwerpunkt auf verfestigten Persönlichkeitsstilen.
In Übungen und Fallvignetten integrieren Sie dimensionale Diagnostik, Interaktionsanalyse und Interventionen zu eigenen Fallkonzeptionen für unterschiedliche Persönlichkeitsstile.