Risiken und Nebenwirkungen- oder: Wie gefährlich ist Psychotherapie?

Über Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie… wen eigentlich?
Nebenwirkungen von Psychotherapie erkennen, erfassen und verantwortungsvoll managen: von der Definition bis zu Monitoring, Aufklärung und Supervision.
Psychotherapie gilt als wirksam und sicher, lange Zeit sogar als frei von Nebenwirkungen; diese auf Freud zurückgehende Annahme hält sich bis heute im professionellen Selbstverständnis. Die Forschung zeichnet ein anderes Bild: Nebenwirkungen sind häufig, klinisch relevant und mitunter überdauernd, und sie treten auch dann auf, wenn die Behandlung nach allen Fachregeln korrekt durchgeführt wurde. Zur therapeutischen Professionalität gehört deshalb die Fähigkeit, die eigenen blinden Flecken zu sehen.
Sie lernen, Nebenwirkungen sauber zu definieren und von Hauptwirkungen, Therapieversagen und Kunstfehlerfolgen abzugrenzen, und kennen die Forschungslage zu Häufigkeit, Art und Verlauf. Sie unterscheiden allgemeine Nebenwirkungen, die fast jede Therapie begleiten, etwa die Belastung durch Problemkonfrontation oder soziale Konsequenzen bis hin zur Trennung, von methodenspezifischen Risiken einzelner Interventionen wie Exposition oder aufdeckender Verfahren, einschließlich Erinnerungsverzerrungen. Sie reflektieren Wahrnehmungsverzerrungen auf Behandler- wie Patientenseite, lernen Instrumente und Strategien des Nebenwirkungsmonitorings kennen und üben den praktischen Umgang: Gesprächsführung bei belastenden Entwicklungen, Dokumentation, Aufklärung und Haftungsfragen. Der Dozent hat die gebräuchliche Klassifikation psychotherapeutischer Nebenwirkungen entwickelt und das Standardwerk zum Thema mitherausgegeben.
In der Fallarbeit reflektieren Sie Beispiele aus der Supervisionspraxis und diskutieren, wie Nebenwirkungsmonitoring, Aufklärungspflicht und eine offene Reflexionskultur Teil des professionellen Selbstverständnisses werden.